Wer Wind sät, wird Sturm ernten
Die Westdeutsche Allgemein Zeitung schrieb vor ein paar Wochen (“Immer mehr Schüler in NRW haben Förderbedarf – aber keiner weiß, warum”, 09.03.2026):
In Nordrhein-Westfalen leben immer mehr Schulkinder mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“, zum Beispiel in den Bereichen Sprache, Sehen oder emotionale Entwicklung. Laut dem Statistischen Landesamt (IT.NRW) stieg die Zahl dieser Kinder in 20 Jahren um 47 Prozent. Das sind insgesamt fast 165.000 Schülerinnen und Schüler.
NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) hatte zuletzt im Schulausschuss des Landtags von einem „enormen Anstieg in den ersten Schulklassen“ gesprochen. So sei die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ in den vergangenen zehn Jahren in der Primar- und in der Sekundarstufe 1 um knapp 38 Prozent gestiegen. „Betrachtet man nur die Primarstufe, dann sind es sogar knapp 86 Prozent Steigerung“, so Feller.
Heute Morgen meldete der WDR:
Die Zunahme von Kindern mit Lernschwierigkeiten könnte laut NRW-Schulminister Dorothee Feller (CDU) auf den frühen Medienkonsum der Kinder zurückzuführen sein. Das sagte sie in Westpol spezial: Brennpunkt Schule. Ein Gutachten dazu ist in Arbeit.
Die erwähnte Sendung “Westpol spezial: Brennpunkt Schule” wird erst heute Abend ausgestrahlt.
Dass Kinder früh in Kontakt mit (digitalen) Medien kommen, dafür sorgen nicht nur manche Eltern, sondern auch Kitas und Grundschulen. Das Risikobewusstsein scheint sich in Grenzen zu halten:
- Auf der Seite KiTa.NRW des Ministeriums für Kinder, Jugend und Familie des Landes Nordrhein-Westfalen ist zu lesen:
Bereit für die Zukunft? Der pädagogische Einsatz von Tablets & Co. und der Erwerb der Medienkompetenz erobern die Kindertagesbetreuung. […]
Vor diesem Hintergrund hat das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen (MKFFI) das Modellprojekt „Digitale Medien in der frühkindlichen Bildung – Medienbildung in der Kita“ durchgeführt, bei dem ausgewählte Kindertageseinrichtungen und Familienzentren in der Emscher-Lippe-Region den Einsatz von digitalen Medien im Kita-Alltag erprobt haben. […]
Häufig sind Kinder fasziniert von Medien. Wie selbstverständlich beherrschen sie den Umgang mit Tablets, PC, Fernsehen und Smartphones. Der Umgang mit Medien bietet diverse Sprachanlässe, beispielsweise wollen die Kinder Gesehenes erzählen oder spielen Geschichten ihrer Lieblingshelden nach. Beim Fernsehkonsum ist es allerdings besonders wichtig, dass den Kindern eine teilnehmende Auseinandersetzung mit dem Gesehenen ermöglicht wird, dass sie also zum Mitmachen (z.B. zum Mitsingen) aufgefordert werden.Auch Apps und Software können zur Sprachbildung eingesetzt werden. Beispielsweise empfiehlt die Stiftung Lesen Kinderbuch-Apps und interaktive Geschichten, die in Kombination mit Büchern verwendet werden können: Kinderbuch-Apps und interaktive Geschichten, die in Kombination mit Büchern verwendet werden können.
Auf dieser Seite findet sich auch die Handreichung “Digitale Medien in der frühkindlichen Bildung”. Auch recht aufschlussreich (wenn auch schon etwas älter): die Broschüre “Medienkompetenz-Kitas NRW” der Landesanstalt für Medien NRW.
- Die Stadt Gütersloh meldet zum Beispiel: “Das Digitalisierungskonzept für die Gütersloher Schulen – beschlossen im Mai 2020 – regelt die Ausstattung der Grundschulen und weiterführenden Schulen in städtischer Trägerschaft mit digitalen Endgeräten. Danach sind für die Grundschulen und die Jahrgangsstufen 5 und 6 Klassensätze mit jeweils 15 iPads vorgesehen.”
- Die Städtische Katholische Grundschule Hanbruch in Aachen meldet: “Digitale Medien prägen unsere soziale, kulturelle und wirtschaftliche Welt in besonderem Maße. Davon ist auch der (Schul-) Alltag unserer Kinder nicht ausgenommen. Deswegen ist der Umgang mit digitalen Medien bei uns im Unterricht genauso Lerngegenstand wie Lesen, Rechnen und Schreiben.
Die Digitalisierung an unserer Grundschule ist schon weit fortgeschritten. Jede Klasse hat 13 iPads zur Verfügung und es gibt ausreichend Beamer. Vielfältige digitale Lernangebote bereichern unseren Unterricht. So unterstützt beispielsweise das digitale Programm Antolin den individuellen Leselernprozess, indem es die Motivation der Kinder zum Lesen steigert. Mit der App Book Creator können die Kinder ihre eigenen Bücher erstellen. Auch die Anton-App hat sich zur vertiefenden Übung von Lerninhalten bewährt.”
- Der Evangelische Kirchenkreis Dortmund meldet: “Neue Tablets für Kita St. Nicolai. Für die rund 20 Mitarbeitenden und 93 Kinder gab es bislang nur zwei Laptops. Die neue Ausstattung ermöglicht es, im Rahmen der Medienerziehung nun auch gruppenweise digital zu arbeiten.”
- Auf caritas.de findet sich der Artikel “Sozial braucht Digital. Das Tablet in der Kita – mehr als ein nettes Gimmick”.
- Auf der “Seite mit der Maus” vom WDR heißt es: “Wie Kinder digitale Medien sicher und verantwortungsvoll nutzen können sie bereits in der Kita lernen. Bei guter Begleitung bieten sie eine tolle Lernmöglichkeit!”
- Die “Stiftung Kinder forschen” schreibt: “Kinder, die heute eine Kita oder Grundschule besuchen, wachsen mit digitalen Medien auf. Ob Smartphone, Tablet, Fernseher, Computer oder Taschenrechner: Die Digitalisierung ist aus ihrem Alltag nicht mehr wegzudenken. Umso wichtiger ist es, dass Kinder im Umgang mit digitalen Medien gut begleitet werden.”
- Die KölnKitas gGmbH schreibt: “Kinder wachsen heute selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Waren früher die Kassette, die Schallplatte oder das Bilderbuch sehr beliebt, sind heutzutage das Handy, das Notebook, das iPad etc. allgegenwärtig. Bereits Kinder im Alter von 2 Jahren können mit einem Handy und einem Tablet umgehen, die sogenannte „Wischfunktion“ ist ihnen nicht unbekannt. Medienarbeit in unserer Kindertageseinrichtung bedeutet Kompetenzen zu entwickeln um Kenntnisse über die Nutzung, Steuerung, die Anforderungen und die Technologie zu erlangen.”
- Über die Kita Lumiland Köln heißt es auf familienservice.de: “In unserer Kita nutzen wir iPads, um den Kindern die Möglichkeiten und digitaler Medien näherzubringen. Unser Ziel ist es, die Kinder zu stärken, damit sie Medien bewusst, sicher und kreativ für ihre eigene Entwicklung nutzen können.”
- caritasnet.de titelt: “‘Let’s do it!’: Kita-Kinder lernen den sinnvollen Umgang mit Tablets und Apps”.
Zu Risiken und Gefahren von Smartphones und anderer Bildschirmmedien lesen Sie bitte diesen Artikel oder fragen Sie den Kinderarzt Axel Gerschlauer vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in NRW. Der sagte laut Rheinischer Post: „Geben Sie dem Kind lieber Wodka als ein Handy in die Hand!“