Vor einem knappen Monat habe ich einen Beitrag veröffentlicht, in dem ich die Internetseite “Medienbildung” auf kita.nrw.de sowie die dort verlinkte Broschüre “Digitale Medien in der frühkindlichen Bildung” kritisiert habe. Für die Homepage kita.nrw.de zeichnet das Ministerium für Kinder, Jugend und Familie des Landes NRW verantwortlich.
Wie ich heute festgestellt habe, ist diese Interseite verschwunden. Ruft man die zugehörige URL www.kita.nrw.de/fruehe-bildung/praxisinformationen/medienbildung auf, landet man automatisch auf www.kita.nrw.de. Meine Kritik ist offenbar im Ministerium ernst genommen worden. (Am 18. August hatte ich mehrere Mitglieder des Landtagsausschusses für Kinder, Jugend und Familie angeschrieben und gebeten, sich der in meinem Artikel geäußerten Empfehlung anzuschließen und das Ministerium für Kinder, Jugend und Familie darauf hinzuweisen.)
Sucht man auf kita.nrw.de nach “Medienbildung”, gibt es vier Treffer. Eine Seite “Medienbildung” ist nicht (mehr) darunter — stattdessen (unter anderem) die Seite “(Mehr-)sprachliche Förderung mit digitalen Medien”. Das zugehörige Titelbild ist fragwürdig. Auf der Seite findet sich zudem ein Hinweis auf den Abschlussbericht des Pilotprojekts “Sprachschatz – Bibliothek und KiTa Hand in Hand” (2017 – 2019). Auch dessen Titelbild ist fragwürdig, genauso wie das Pilotprojekt selbst auf den ersten Blick fragwürdig zu sein scheint. Unter anderem wird darin die Kita Ochtrup zitiert: „Beim Wettbewerb ‘Sozial braucht Digital’ hat die KiTa den zweiten Platz gewonnen und bekam 6.000 Euro für die digitale Ausstattung. Danach erhielt die KiTa viel Aufmerksamkeit von anderen Trägern und wurde zu Veranstaltungen eingeladen, um von den Erfahrungen im Umgang mit den digitalen Medien in der KiTa zu berichten.“ (S. 24)
Sozial braucht Digital? Ernsthaft?
Über den Slogan “Sozial braucht Digital” habe ich mich bereits vor längerer Zeit aufgeregt. Zunächst einmal deshalb, weil der Umkehrschluss nahelegt, dass wir im “vordigitalen Zeitalter” nicht allzu sozial gewesen sein können, weil allen früheren Generationen dieses “Zaubermittel” noch gar nicht zur Verfügung stand.
Außerdem wurde – wenn ich mich richtig erinnere – dieser Slogan bereits 2019 von der Caritas propagiert, um den Einsatz von Robotern in Alten- und Pflegeheimen zu rechtfertigen, was die Sache nicht besser macht.
Eine Übertragung dieser Denkweise auf den Bildungsbereich verbietet sich erst recht, da mittlerweile nicht mehr geleugnet werden kann, dass Frühdigitalisierung mit vielen Kompetenzverlusten (und zwar nicht zuletzt im sozialen Bereich) einhergeht.