Dank der Süddeutschen Zeitung (SZ) von diesem Wochenende (14./15./16.08.2026) weiß ich:
Küstliche Intelligenz ist überall, inzwischen auch in Teddybären. […] [W]ährend immer mehr Spielzeughersteller smarte Kuscheltiere als ideale Spielpartner anpreisen, kursieren im Internet Berichte über Sicherheitslücken und über Kinder, die sich lieber der KI anvertrauen als Freunden oder ihren Eltern.
Zu diesem Thema interviewt die SZ eine US-amerikanische “KI-Forscherin” namens Stefania Druga von der University of Washington (online hier). Die sagt so Sachen wie:
Künstliche Intelligenz ist nun mal da, sie ist eine mächtige Technologie, sie ist überall und sie wird auch so schnell nicht weggehen. Statt Kinder von KI abzuschirmen, sollten wir ihnen helfen, richtig mit ihr umzugehen. Und am besten lernen und verstehen Kinder spielerisch. […] Wenn alle KIs, denen junge Menschen ausgesetzt sind, auf Geräten wie Handys oder Tablets sind, bleibt diese Technologie für sie eine Blackbox.
Ja, und wenn die KI im Teddy daherkommt, ist diese Technologie natürlich für Kinder keine Blackbox mehr. “So eine Verkörperung hilft Kindern sehr dabei zu verstehen. Das nennt man Körpersynchronität”, weiß die Forscherin aus Amerika, die übrigens laut eigenen Angaben eine App gebaut hat, die Kinder beim Mathelernen unterstützt. Die KI solle für Kinder “eine Art Denkpartner sein, der die Kreativität des Kindes herausfordert und fördert”.
Ich sage dazu nur: O tempora, o mores! Und: Warum interviewt die SZ zu dem Thema eine KI-Forscherin und nicht etwa Manfred Spitzer, Ralf Lankau, einen Kinderarzt oder eine Entwicklungspsychologin? Cui bono? Im Übrigen: Künstliche Intelligenz ist nicht überall, auch wenn manche Leute es offenbar gerne hätten.
Bei der SZ-Meldung geht es um einen schon recht alten Hut. Im Rahmen einer für das Buch “Bildungsindustrie” verfassten Satire (“Digital-Ratgeber für deutsche Bildungsdesigner”) habe ich mich bereits 2018 etwas ausführlicher zur Fragwürdigkeit smarter Spielzeugangebote geäußert. Zitat: “Last but not least können wir uns auf das schlechte Gedächtnis der Verbraucher/innen verlassen. So ist es noch gar nicht so lange her, dass es einen Aufschrei wegen der internetfähigen Puppen und Kuscheltiere gegeben hat, mit denen Kinder ausspioniert werden können, weil das, was sie ihren Spielzeugpartnern sprechend anvertrauen, aufgezeichnet und in Clouds gespeichert wird. In Deutschland ist die mit diesen Funktionen ausgestattetete Puppe Cayla inzwischen verboten worden, aber wer erinnert sich noch daran? Jedenfalls hat dieses Verbot nicht dazu geführt, dass der Markt für die ‘Cloud Pets’ dauerhaft eingebrochen wäre oder dass sich daraus andere von uns ernst zu nehmende Reaktionen auf das schon sehr früh praktizierte Unterlaufen des informationellen Selbstbestimmungsrechts ergeben hätten.”
Zitat aus: Simon Kunert und Manuel Rühle (Redaktion), Bildungsindustrie. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2018
Angesichts dieser schon ziemlich lange andauernden Praxis stellt sich die Frage, ob nicht schon bald mit einer missbräuchlichen Nutzung der auf diesem Weg gesammelten Daten gerechnet werden muss. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass die Kinder ihrem “Spielzeug” viele (auch innerfamiliäre) Sorgen und Nöte anvertraut haben.