Im Schuljahr 2024/2025 befragte der Rhein-Erft-Kreis Acht- und Zehntklässler zu ihrer seelischen und körperlichen Gesundheit. Die Ergebnisse dieser Jugendbefragung wurden am 9. Oktober 2025 auf der Fachtagung “Kommunale Gesundheitsberichterstattung” in Essen vorgestellt. Die Tagung wurde ausgerichtet vom Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen. Auf dessen Homepage findet sich das Programm der Tagung und zugehörige Unterlagen, darunter eine Zusammenfassung und eine Präsentation der Ergebnisse der Jugendbefragung des Rhein-Erft-Kreises (Titel: “Jugendbefragung 2024/25 zur seelischen und körperlichen Gesundheit. Ergebnisse der 2. Befragungswelle in den 8. und 10. Klassen im Rhein-Erft-Kreis”). Daraus geht unter anderem hervor:
- 9 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, unter Depressionen zu leiden; jeweils 7 Prozent unter Migräne, AD(H)S oder einer Angststörung.
- 20 Prozent der befragten Jugendlichen fühlten sich in Hinblick auf Schulleistungen unter Druck gesetzt; 7 Prozent im Hinblick auf die häusliche Situation.
- 17 Prozent der Jungen und 19 Prozent der Mädchen gaben an, pro Tag mehr als sechs Stunden mit “sozialen Medien” zu verbringen.
- 25 Prozent der Jungen und 36 Prozent der Mädchen hätten in den drei Monaten vor der Befragung Mobbingerfahrungen in der Schule erlebt. 18 Prozent der Mädchen fühlten sich in der Schule unsicher oder bedroht.
Auf Seite 14 der Präsentation steht:
- 28 % der Befragten geben an, in den letzten 12 Monaten mindestens einmal ernsthaft darüber nachgedacht zu haben, ihr Leben zu beenden […]
- Beim MHI-5* (Mental Health Inventory) haben 38% der Jugendlichen einen Score >60 (problematisch)
- 18 % der Jugendlichen in der 10. Klasse geben an, sich selten/nie nach schwierigen Phasen schnell wieder zu erholen. In der 8. Klassen waren es 21 %.
*Der MHI-5 ist ein Kurztest zur Einschätzung der allgemeinen psychischen Gesundheit, der mit seinen 5 Fragen integriert ist
Auf Seite 10 findet sich ein Diagramm zu “Schlafqualität und Einfluss von Sozialen Medien”.
Im Fazit der Zusammenfassung heißt es: “Die Stärkung der seelischen Gesundheit von Jugendlichen ist als Gemeinschaftsaufgabe von Schulen, Kommunen und den Familien zu sehen. Die vorliegenden Ergebnisse können in der weiteren Planung in Schulen und Kommunen herangezogen werden.”
Bemerkenswert ist, dass diese Jugendbefragung offenbar bisher nicht Gegenstand einer Beratung im Kreistag des Rhein-Erft-Kreises oder in dessen Gesundheitsausschuss war[*]. Auch im Ratsinformationsdienst der Stadt Bergheim habe ich keinen Hinweis gefunden, dass die Jugendbefragung im Bergheimer Stadtrat oder in einem seiner Ausschüsse beraten worden wäre. Die lokale Presse (Kölner Stadt-Anzeiger, Rhein-Erft-Rundschau) hat offenbar ebenfalls nicht berichtet.
Sind die Ergebnisse der Jugendbefragung zur seelischen und körperlichen Gesundheit so unwichtig?
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[*] Bei meiner Suche im Kreistagsinformationsdienst habe ich lediglich einen Hinweis gefunden: In einer Mitteilung wurde die Jugendbefragung erwähnt und ein Auszug der oben erwähnten Präsentation veröffentlicht (Vorgang 381/2025). Anlass für diese Mitteilung war meine Anregung vom 6. November 2025 an den Kreistag (Aufklärung über die Risiken von Smartphones und anderen Bildschirmmedien).