Schule intakt

"Wo Schule schön ist, ist sie ein Geschenk an das Leben." (Remo Largo)

Menu
  • Startseite
  • Worum es geht
  • Wer dahintersteckt
  • Kontakt
  • alexanderroentgen.de
Menu

Humanisierung der Arbeitswelt ist offenbar kein Ziel der CDU/CSU-Fraktion

Veröffentlicht am 21. Januar 202624. März 2026 von Alexander Roentgen

“Jeder soll sich am Arbeitsplatz wohlfühlen”: Das war einmal.

Vor gut drei Monaten habe ich der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag unter anderem Folgendes per E-Mail geschrieben:

1986 gab das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung das Büchlein “Politik für Arbeitnehmer” heraus (damals war Norbert Blüm Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung). Ein Kapitel darin trägt die Überschrift “Jeder soll sich am Arbeitsplatz wohlfühlen”. Dort heißt es (S. 94): “Für die Gesundheit und das Wohlbefinden eines Menschen ist die Qualität des Arbeitsplatzes genauso wichtig wie seine private Umgebung.” Auf den Seiten 96 und 97 geht es um die “Humanisierung der Arbeitswelt” (Scans hier):

Neue Techniken, neue Arbeitsabläufe und Produktionsverfahren erfordern auch neue Methoden, Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz zu vermeiden und zu beseitigen. Es geht darum, die Arbeit an die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen anzupassen und die menschliche Würde auch am Arbeitsplatz zu erhalten.

Deshalb gibt es das “Aktionsprogramm zur Humanisierung des Arbeitslebens”, das vom Bundesforschungministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundesarbeitsministerium getragen wird. Dieses Forschungsprogramm hat in den vergangenen Jahren wichtige Beiträge zu mehr Menschlichkeit im Arbeitsleben geleistet.

Ausgangspunkt für dieses Programm war die Erkenntnis, daß der betriebliche Arbeitsschutz in seiner traditionellen Form heute nicht mehr ausreicht. Neben Arbeitsunfällen und den seit vielen Jahren bekannten Berufskrankheiten spielen neue Krankheiten und psychische Belastungen beim Arbeitsablauf eine immer größere Rolle. […] Auch die Einbindung in eine betriebliche Organisation, die wenig Spielraum für die Entfaltung der eigenen Fähigkeiten läßt, trägt zur Belastung am Arbeitsplatz bei.

Das “Forschungsprogramm Humanisierung des Arbeitslebens” soll helfen, solchen und ähnlichen Belastungen auf die Spur zu kommen und nach Wegen zu suchen, sie abzubauen.

Ich habe gefragt:

Was ist aus dem “Aktionsprogramm zur Humanisierung des Arbeitslebens” geworden? Sucht man auf Ihrer Homepage nach “Humanisierung”, findet man: nichts.

Sind Sie bereit, sich für eine Humanisierung der Arbeitswelt einzusetzen — dafür, dass jeder sich am Arbeitsplatz wohlfühlt, dass die Arbeit an die Fähigkeit und Bedürfnisse des Menschen angepasst wird, und dafür, dass die menschliche Würde auch am Arbeitsplatz erhalten wird? (Falls ja, bin ich gerne bereit, Ihnen oder der Bundesregierung dabei zu helfen.)

Bis heute habe ich darauf keine Antwort erhalten. Die Humanisierung der Arbeitswelt ist offenbar kein Ziel der CDU/CSU-Fraktion. “Jeder soll sich am Arbeitsplatz wohlfühlen”: Das war einmal. (Sucht man auf der CDU-CSU-Homepage nach “Humanisierung”, findet man: immer noch nichts.) Vergangene Woche habe ich den CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Georg Kippels aus Bedburg gebeten, die CDU/CSU-Geschäftsführung an meine Mail zu erinnen. Vielleichts hilft’s.

In meiner Mail hatte ich angesichts des “Herbsts der Reformen” im Übrigen auf ein paar Gedanken von Christoph Butterwegge, Didier Eribon, Heiner Geißler, Stefan Sell, Heiner Flassbeck und von Papst Leo XIV. hingewiesen. Letzterer schrieb in seinem ersten Lehrschreiben “Dilexi te”: “Es wird normal, die Armen zu ignorieren und so zu leben, als ob es sie nicht gäbe. Es erscheint als vernünftige Entscheidung, die Wirtschaft so zu organisieren, dass vom Volk Opfer verlangt werden, um bestimmte Ziele zu erreichen, die für die Mächtigen von Interesse sind.” Den vollständigen Wortlaut meiner Mail gibt es hier als PDF.

Nachtrag (24.03.2026):
Am 04.03.2026 schrieb mir der Abgeordnete Dr. Georg Kippels per Mail: “Zu Ihrer Frage hinsichtlich des früheren ‘Aktionsprogramms zur Humanisierung des Arbeitslebens’ lässt sich allgemein festhalten, dass Themen wie Arbeits- und Gesundheitsschutz, menschengerechte Arbeitsgestaltung und die Wahrung der Würde am Arbeitsplatz auch heute Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Auseinandersetzungen sind. Entsprechende Zielsetzungen finden sich in unterschiedlichen Programmen und Initiativen wieder.”

Print Friendly, PDF & Email
Category: Uncategorized

Kommentar

  1. Magda von Garrel sagt:
    22. Januar 2026 um 18:05 Uhr

    Die vollständige Abkehr vom “Aktionsprogramm zur Humanisierung des Arbeitslebens” entspricht der inzwischen in allen Bereichen etablierten neoliberalen Ideologie. Nicht der Mensch steht im Mittelpunkt, sondern dessen Verwertbarkeit. Das gilt auch für das Schulwesen, das sich vordringlich an Arbeitsmarkterfordernissen und nicht etwa an den Fähigkeiten und Bedürfnissen von Schülern orientieren soll. Die damalige Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger (FDP) hat es besonders krass auf den Punkt gebracht: Das jetzige Ziel besteht in einer Anpassung des Bildungswesens an KI.

Kommentare sind geschlossen.

Paul Lockhart:

"Es gibt sicherlich keinen verlässlicheren Weg, Begeisterung und Interesse an einem Fach zu töten, als es zum Pflichtteil eines schulischen Curriculums zu machen. Es als Hauptbestandteil in standardisierte Prüfungen einzufügen, garantiert, dass das Schulsystem das Leben aus diesem Fach heraussaugt."

(aus "A Mathematician's Lament" von Paul Lockhart)

RSS Bergheimer Blog

  • Kinder- und Jugendausschuss lehnt Anregung zur Aufklärung über Smartphone-Risiken mit großer Mehrheit ab
  • KODI-Filiale in Bergheim schließt

RSS Schule Mathematik Bildung

  • Proofs of the quadratic reciprocity law

RSS Condorcet

  • Deutschförderung ist eine Verbundaufgabe

RSS Gesellschaft für Bildung und Wissen

  • Viele Wege führen ins Leben

Schlagwörter

Administrationsrummel Anwendungsorientierung Arbeitswelt Arno Gruen Beamte Bergheim Bildungsmonitoring CDU Demokratie Didaktik Eugen Drewermann Fixvektorpanne G8 Gewalt Grüne NRW GTR Innovationstamtam Jesper Juul Kinder Kompetenzorientierung Leistung Lust Macht Mathematikunterricht McDonaldisierung Medienkritik Michael Felten MINT Mobbing Neue Medien OECD Panne Zentralabitur 2014 PHV NRW PISA Pädagogik Runder Tisch Schule = Knast Schulleiter Schulministerium Stress SV SV-Ombudsstelle Sylvia Löhrmann Yvonne Gebauer Zentralabitur

Peter Fürstenau:

"Wo Kinder sich einer völlig vorgegebenen — noch dazu widersprüchlichen — Ordnung im wesentlichen nur einzufügen haben, entstehen als einzig möglicher Ausdruck ihres Freiheits- und Selbständigkeitsstrebens und ihrer Initiative „Disziplinschwierigkeiten“. Das ist aber bei Erwachsenen unter solchen Bedingungen nicht anders."

(aus: "Zur Psychoanalyse der Schule als Institution" von Peter Fürstenau)

Blog via E-Mail abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Archiv

Meta

  • Anmelden
  • Eintrags-Feed
  • Kommentar-Feed
  • WordPress.org
Datenschutzerklärung - Impressum - Cookie-Richtlinie (EU)
© 2026 Schule intakt | Powered by Minimalist Blog WordPress Theme
Cookie-Zustimmung verwalten
Wir verwenden Cookies, um unsere Website und unseren Service zu optimieren.
Funktional Immer aktiv
Die technische Speicherung oder der Zugang ist unbedingt erforderlich für den rechtmäßigen Zweck, die Nutzung eines bestimmten Dienstes zu ermöglichen, der vom Teilnehmer oder Nutzer ausdrücklich gewünscht wird, oder für den alleinigen Zweck, die Übertragung einer Nachricht über ein elektronisches Kommunikationsnetz durchzuführen.
Vorlieben
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist für den rechtmäßigen Zweck der Speicherung von Präferenzen erforderlich, die nicht vom Abonnenten oder Benutzer angefordert wurden.
Statistiken
Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu statistischen Zwecken erfolgt. Die technische Speicherung oder der Zugriff, der ausschließlich zu anonymen statistischen Zwecken verwendet wird. Ohne eine Vorladung, die freiwillige Zustimmung deines Internetdienstanbieters oder zusätzliche Aufzeichnungen von Dritten können die zu diesem Zweck gespeicherten oder abgerufenen Informationen allein in der Regel nicht dazu verwendet werden, dich zu identifizieren.
Marketing
Die technische Speicherung oder der Zugriff ist erforderlich, um Nutzerprofile zu erstellen, um Werbung zu versenden oder um den Nutzer auf einer Website oder über mehrere Websites hinweg zu ähnlichen Marketingzwecken zu verfolgen.
  • Optionen verwalten
  • Dienste verwalten
  • Verwalten von {vendor_count}-Lieferanten
  • Lese mehr über diese Zwecke
Einstellungen anzeigen
  • {title}
  • {title}
  • {title}