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Der Philologenverband NRW und die (Zweifel an der) Digitalisierung

Veröffentlicht am 30. Dezember 20221. Februar 2025 von Alexander Roentgen

Pädagogik-Professor stellt den Digitalstrategien des Landes NRW und der KMK ein schlechtes Zeugnis aus.

Karl-Heinz Dammer, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, ist ein tapferer Mann. Er hat sich offenbar eingehend mit zwei staatlichen Papieren zur Digitalisierung auseinandergesetzt. Nämlich mit “Impulspapier II. Zentrale Entwicklungsbereiche für das Lernen in der digitalen Welt” des NRW-Schulministeriums in Verbindung mit den Empfehlungen der Kultusministerkonferenz „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“.

Dammer arbeitete im Auftrag des Philologenverbands NRW (PhV NRW). In seinem Gutachten (“Die ‘Digitale Welt’ im Diskurs. Gutachten zur Digitalstrategie der KMK und des Landes NRW aus bildungspolitischer Sicht”) kommt er unter anderem zu dem Schluss:

Das Gutachten konnte darlegen, dass das IP [Impulspapier II] und die KMK-Empfehlungen integraler Bestandteil einer bundesweiten bildungspolitischen Agenda mit parteiübergreifendem Konsens sind, der, allen Bekundungen über das Primat der Pädagogik zum Trotz, einem technizistischen Bildungs- und Schulverständnis folgt. Ebenso deutlich geworden ist, dass diese Agenda nicht aus einer breiten demokratischen Debatte über Möglichkeiten, Grenzen und Risiken einer forcierten Digitalisierung der Schule erwuchs, sondern aus Empfehlungen von pädagogisch nicht ausgewiesenen Expertenstäben, die andere als pädagogische Interessen verfolgen.

Laut Pressemitteilung sagte Sabine Mistler, PhV-NRW-Vorsitzende:

Wir als Philologenverband wollen beim Thema Digitalisierung einen möglichst breiten Diskurs ermöglichen und aufrechterhalten -– das Gutachten liefert nun die wissenschaftlichen Argumente dazu. … Wir müssen unbedingt Konsequenzen aus den negativen pädagogischen und didaktischen Nebenwirkungen der Digitalisierung ziehen.

Vor dem Gutachten gab es keine Argumente, um auf Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung hinzuweisen (zum Beispiel von Ralf Lankau)? Aber: Besser spät als nie. Noch in der Ausgabe 3/2022 von “Bildung aktuell”, dem Organ das PhV NRW, wurde der Digitalisierung einseitig-unkritisch das Wort geredet…

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Category: Uncategorized

Kommentar

  1. Sandra Reuse sagt:
    31. Dezember 2022 um 17:09 Uhr

    Danke für diesen Beitrag! Das Thema Risiken und Nebenwirkungen der Schüler- und Unterrichtsdigitalisierung muss tatsächlich endlich mal systematisch aufgegriffen werden – man sollte sich dazu bundesweit vernetzen!
    Schleichend haben im Lockdown Handy und ipad überall da Einzug gehalten, wo vorher noch nicht rund um die Uhr auf Bildschirme gestarrt wurde. Auch werden die Schüler/innen jetzt noch öfter auch schon vormittags vor irgendwelche Filme gesetzt, weil wegen dem Lehrermangel andauernd Unterricht ausfällt. Das ist nicht Bildung, sondern Berieselung, es macht passiv und schwächst die Konzentrationsfähigkeit…
    usw. Ich höre mal auf für dieses Jahr. Bin gerne dabei wenn sich 2023 Initiativen bilden gegen diesen wie ich finde vollkommen unhinterfragten Digitalisierungshype, der noch dazu Unmengen an Geld kostet, das an anderen Stellen bitter fehlt…

Kommentare sind geschlossen.

Paul Lockhart:

"Es gibt sicherlich keinen verlässlicheren Weg, Begeisterung und Interesse an einem Fach zu töten, als es zum Pflichtteil eines schulischen Curriculums zu machen. Es als Hauptbestandteil in standardisierte Prüfungen einzufügen, garantiert, dass das Schulsystem das Leben aus diesem Fach heraussaugt."

(aus "A Mathematician's Lament" von Paul Lockhart)

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Peter Fürstenau:

"Wo Kinder sich einer völlig vorgegebenen — noch dazu widersprüchlichen — Ordnung im wesentlichen nur einzufügen haben, entstehen als einzig möglicher Ausdruck ihres Freiheits- und Selbständigkeitsstrebens und ihrer Initiative „Disziplinschwierigkeiten“. Das ist aber bei Erwachsenen unter solchen Bedingungen nicht anders."

(aus: "Zur Psychoanalyse der Schule als Institution" von Peter Fürstenau)

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