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Noch mehr Pippi-Langstrumpf-Mathematik von Bigalke/Köhler

Veröffentlicht am 13. März 201815. Dezember 2018 von Alexander Roentgen

Wenn man als Mathelehrer Unterricht vorbereiten will, sollte man vermeiden, zu diesem Zweck ein Schulbuch aufzuschlagen. Insbesondere das von den Herren Bigalke und Köhler herausgegebene Meisterwerk “Mathematik. Gymnasiale Oberstufe. Nordrhein-Westfalen. Einführungsphase”, erschienen im Cornelsen-Verlag (1. Auflage, 2014), ist mit Vorsicht zu genießen. In unserem Beitrag “Grober Fehler im Schulbuch für Mathematik von Bigalke/Köhler” haben wir darauf bereits hingewiesen. Die Seite 89 enthält ein weiteres Beispiel für Pippi-Langstrumpf-Mathematik. In dem Kapitel geht es um “Grenzwerte von Funktionen”. Folgende Aufgabe wird behandelt:

Wie Herr Stein “kalkuliert” hat, dass die Temperatur durch die Funktion T beschrieben werden kann, wollen wir gar nicht wissen. Gut, dass er in der Schule nicht den Arkustangens kennengelernt hat; sonst hätte er es vermutlich mit T(t)=-20\cdot arctan(t)+17 versucht. Spaß beiseite. Das Buch kommt zu folgenden Lösungen:

Was soll man dazu sagen?
1.) Langfristig ist Familie Stein tot — ebenfalls keine sehr angenehme Aussicht. Aber Tote empfinden immerhin keine Kälte mehr.
2.) Wenn man wissen will, wie tief die Temperatur fallen könnte, wäre vielleicht der Hinweis angebracht, dass die Funktion T für t > -2 streng monoton fallend ist.
3.) Es scheint üblich geworden zu sein, Grenzwerte per Wertetabelle zu bestimmen. Das allein ist äußerst fragwürdig. Dass man allerdings aufgrund der “Zahlenfolge” 20, 11,33, -1,67 und -5,49 auf den Grenzwert -6 kommt, ist schlichtweg lächerlich.

Die letzte Eiszeit, das Känozoische Eiszeitalter, begann vor 33,5 Millionen Jahren (Wikipedia).

“In der Nacht fällt auch noch die Heizung aus.” 7.44 Uhr ist also bei Familie Stein mitten in der Nacht… Für wie blöd sollen Schüler eigentlich verkauft werden?

In dem Bigalke/Köhler-Buch für die Qualifikationsphase wird übrigens das Newton’sche Abkühlungsgesetz vorgestellt:

Vermutlich ist Herr Stein nach der Einführungsphase vom Gymnasium abgegangen.

PS
Zur Erinnerung: Das NRW-Schulministerium duldet diese Pippi-Langstrumpf-Mathematik, indem es sich weigert, die Zulassung von Schulbüchern strikter zu regeln als bisher (siehe hier).

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Category: Uncategorized

Kommentar

  1. Roland Schröder sagt:
    14. März 2018 um 10:22 Uhr

    Bei der Leküre müsste man laut lachen, wenn nicht das Ganze so traurig wäre.
    Humor ist vielleicht auch nicht der Ansatz, mit dem hier irgend etas bewirkt werden könnte.

Kommentare sind geschlossen.

Paul Lockhart:

„Es gibt sicherlich keinen verlässlicheren Weg, Begeisterung und Interesse an einem Fach zu töten, als es zum Pflichtteil eines schulischen Curriculums zu machen. Es als Hauptbestandteil in standardisierte Prüfungen einzufügen, garantiert, dass das Schulsystem das Leben aus diesem Fach heraussaugt.“

(aus „A Mathematician's Lament“ von Paul Lockhart)

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Peter Fürstenau:

"Wo Kinder sich einer völlig vorgegebenen — noch dazu widersprüchlichen — Ordnung im wesentlichen nur einzufügen haben, entstehen als einzig möglicher Ausdruck ihres Freiheits- und Selbständigkeitsstrebens und ihrer Initiative „Disziplinschwierigkeiten“. Das ist aber bei Erwachsenen unter solchen Bedingungen nicht anders."

(aus: "Zur Psychoanalyse der Schule als Institution" von Peter Fürstenau)

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