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Löhrmanns G8-Optimierung: Tinnef für alle

Veröffentlicht am 26. Januar 201623. November 2022 von Alexander Roentgen

Grandios — das Ministerium für Schule und Weiterbildung (MSW) hat sich mal wieder in Sachen Innovationstamtam und Administrationsrummel selbst übertroffen. Der von Ministerin Sylvia Löhrmann einberufene Runde Tisch legte im November 2014 Empfehlungen zur angeblichen Optimierung von G8 vor. Dass von diesen kläglich-kleinkarierten Ratschlägen nichts zu halten ist, lässt sich auf unserem Blog hier, hier und hier nachlesen.
Nichtsdestotrotz hat das Ministerium für Pleiten, Pech und Pannen den Tinnef, den der Runde Tisch in irgendeinem lichtlosen Kellerraum in Düsseldorf zusammengestöpselt hat, vor den Sommerferien 2015 umgesetzt. Diverse Erlasse und Verordnungen sind dazu ergangen bzw. verändert worden (MSW-Runderlasse vom 24. April 2015 und vom 5. Mai 2015, APO-SI-Änderungsverordnung, VVzAPO-SI- und VVzAPO-GOSt-Änderungen vom 7. Mai 2015). Auch das Schulgesetz (§ 49, Absatz 3) wurde am 25. Juni 2015 geändert. Das alles lässt sich auf der Internetseite “Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8)” des Ministeriums nachlesen. (Den Tinnef übersichtlich zu präsentieren, gelingt dem Laden durchaus gut…)

Das Merkwürdige bei alldem ist: Die Regelungen, die G8 optimieren sollen, gelten nicht nur für Gymnasien (also dort, wo die Schulzeitverkürzung für Probleme gesorgt hat), sondern auch für andere Schulformen wie Haupt-, Real-, Gesamt- und Sekundarschulen. Selbst Grundschulen sind von den Änderungen betroffen. Am deutlichsten wird dies bei den Änderungen, die die Hausaufgabenzeiten betreffen: Nach den Änderungen beträgt die maximale Hausaufgabenzeit pro Schultag für die Klassen 5 – 7 aller Schulformen mit Sekundarstufe I 60 Minuten, für die Klassen 8 – 10 75 Minuten. Vor den Änderungen waren es für die Klassen 5 und 6 90 Minuten, für die Klassen 7 – 10 120 Minuten. Für die 3. und 4. Klasse der Primarstufe (Grundschule) wurde die Zeit zur Bearbeitung von Hausaufgaben von 60 auf 45 Minuten herabgesetzt, während sie für die ersten beiden Klassen gleich geblieben ist.

Die G8-Optimierung des Düsseldorfer Schulministeriums lässt sich mit folgender Situation vergleichen: Jemand geht mit Kopfschmerzen zum Arzt. Der verschreibt dem Patienten aufgrund einer fragwürdigen Diagnose allerlei Mittelchen, die im Hinblick auf die Kopfschmerzen fast wirkungslos sind, aber Risiken und Nebenwirkungen haben. Weil der Arzt ein minderbemittelter Kurpfuscher ist, verordnet er diese Therapie auch seinen übrigen Patienten, die gar keine Kopfschmerzen haben. Tinnef für alle!

Ein Schelm, der denkt, dass die Pillen der Ministerin Sylvia Löhrmann nur eine beabsichtigte Wirkung haben: die G8-kritische Bevölkerung zu beruhigen und das brisante Thema G8/G9 vor der nächsten Landtagswahl vom Tisch zu haben.

—————
Quellen/Verweise:

  • Ministerium für Schule und Weiterbildung. “Weiterentwicklung des Gymnasiums (G8)”. https://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulpolitik/G8/index.html
  • Schule intakt. Löhrmanns Runder Tisch: Die GEW NRW macht jeden Tinnef mit. http://schule-intakt.de/2015/loehrmanns-runder-tisch-die-gew-nrw-macht-jeden-tinnef-mit/
  • Schule intakt. Ausführliche Analyse der Empfehlungen des Runden Tisches und der (Schein-)Argumente für G8. http://schule-intakt.de/2014/ausfuehrliche-analyse-der-empfehlungen-des-runden-tisches-und-der-schein-argumente-fuer-g8/
  • Schule intakt. Löhrmanns Runder Tisch: Die kläglich-kleinkarierten G8-Optimierungsversuche sollen weitergehen. http://schule-intakt.de/2014/loehrmanns-runder-tisch-die-klaeglich-kleinkarierten-g8-optimierungsversuche-sollen-weitergehen-4/
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Paul Lockhart:

"Es gibt sicherlich keinen verlässlicheren Weg, Begeisterung und Interesse an einem Fach zu töten, als es zum Pflichtteil eines schulischen Curriculums zu machen. Es als Hauptbestandteil in standardisierte Prüfungen einzufügen, garantiert, dass das Schulsystem das Leben aus diesem Fach heraussaugt."

(aus "A Mathematician's Lament" von Paul Lockhart)

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Peter Fürstenau:

"Wo Kinder sich einer völlig vorgegebenen — noch dazu widersprüchlichen — Ordnung im wesentlichen nur einzufügen haben, entstehen als einzig möglicher Ausdruck ihres Freiheits- und Selbständigkeitsstrebens und ihrer Initiative „Disziplinschwierigkeiten“. Das ist aber bei Erwachsenen unter solchen Bedingungen nicht anders."

(aus: "Zur Psychoanalyse der Schule als Institution" von Peter Fürstenau)

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